Schlaf und kardiovaskuläre Funktion

Mit sechs bis acht Stunden täglich widmet der Mensch etwa ein Drittel seiner Lebenszeit dem Schlaf. Kürzere Schlafzeiten und/oder gestörter Schlaf gehen mit gesundheitlichen Risiken und Leistungsbeeinträchtigungen einher. Guter Schlaf ist erholsam und gekennzeichnet durch rasches Einschlafen, problemloses Durchschlafen sowie morgendliches Ausgeschlafensein.

Auf welche Weise der Schlaf für die psychische und physische Erholung verantwortlich ist, lassen aktuelle Ergebnisse der Schlafforschung erkennen. Schlaf stellt die Energieversorgung des Gehirns sicher, aktiviert Gene, die für zelluläre Reparatur- und Stoffwechselprozesse wichtig sind, spielt eine bedeutende Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung und dem Auf- und Abbau synaptischer Verbindungen im Gehirn. Regulationsprozesse des Fett- und Glukose-Stoffwechsels, des Immunsystems und der langfristigen Blutdruck-Konstanz sind schlafabhängig.

Gestörter Schlaf und Schlafmangel sind weit verbreitet in der modernen Gesellschaft. Beides wirkt sich ungünstig auf das kardiovaskuläre System aus. Sowohl eine kürzere wie auch eine längere Schlafdauer als die als normal angenommenen sechs bis acht Stunden pro Tag gehen mit einem erhöhten Risiko für arteriellen Hypertonus und atherosklerotische Veränderungen der Gefäße inklusive koronarer Herzkrankheit einher. Besonders ausgeprägt sind die negativen Effekte auf das kardiovaskuläre System bei Störungen des Schlafes durch schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS). Neben erhöhtem Sympathikotonus und hormoneller Aktivierung durch Kortikosteroide und Adrenalin im Rahmen der Schlafstörungen entsteht ein Teufelskreis aus einer Störung der Appetit regulierenden Hormone wie Leptin und Ghrelin sowie der Glukosehomöostase mit den Folgen erhöhten Risikos für Diabetes mellitus und Adipositas.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) hat 2014 ein neues Positionspapier „Schlafmedizin in der Kardiologie“ herausgegeben. Seither ist das Wissen um den Stellenwert des gesunden und gestörten Schlafes, insbesondere das Wissen um schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS), deren prognostische Bedeutung und Behandlung, deutlich gewachsen. Daten aus Studien, großen Registern und Metaanalysen sind inzwischen verfügbar, neue Diagnose- und Therapieverfahren sind entwickelt worden. Im Spannungsfeld zwischen Schlafmedizin und Kardiologie muss die symptomatische und prognostische Relevanz der kardiovaskulären Grunderkrankung besondere Berücksichtigung finden. Schlafbezogene Atmungsstörungen stellen einen wichtigen Risikofaktor für die arterielle Hypertonie, die koronare Herzerkrankung, zerebrale ischämische Insulte, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) dar. Aus diesem Grunde haben wir in unsere Klinik zwei moderne Schlaflabore integriert, mit denen eine genaue Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atemstörungen erfasst und behandelt werden kann.