Medikamentöse Therapie –
individuelle Behandlung bei Brustkrebs
Die medikamentöse Therapie ist ein zentraler Bestandteil der Brustkrebsbehandlung und wird individuell auf Ihre Situation abgestimmt. Ziel ist es, Rückfälle zu vermeiden, die Ausbreitung oder einen Rückfall der Erkrankung zu verhindern und Ihre Lebensqualität zu erhalten. Im Brustzentrum des St. Franziskus-Hospitals Münster beraten wir Sie ausführlich und begleiten Sie durch alle Schritte Ihrer Brustkrebstherapie.
Therapieverfahren im Überblick
Die Chemotherapie nutzt Medikamente, die Krebszellen gezielt schädigen oder zerstören. Da sich Krebszellen schneller teilen als normale Körperzellen, reagieren sie empfindlicher auf die Behandlung. Chemotherapie kann als Tabletten oder häufiger als Infusion verabreicht werden, entweder als Einzelmedikament (Monochemotherapie) oder als Kombinationstherapie (Polychemotherapie) – je nach individueller Situation.
Eine Chemotherapie wird in Zyklen verabreicht, das heißt, in zwei, drei oder manchmal vier wöchentlichen Abständen wiederholt, dabei umfasst eine Gabe einen oder mehrere Tage.
Die begleitende oder vorsorgliche adjuvante Chemotherapie wird meistens im Zusammenhang mit der Erstbehandlung der Brustkrebserkrankung empfohlen, um das Risiko für ein Wiedererkranken (Rezidiv oder Metastasierung) zu vermindern.
Die Empfehlung wird von der interdisziplinären Tumorkonferenz gegeben, an der spezialisierte Ärzte der an der Behandlung beteiligten Fachdisziplinen teilnehmen.
Die neoadjuvante Chemotherapie oder auch primäre Chemotherapie genannte Chemotherapie wird als erster Therapieabschnitt vor der Brustoperation eingesetzt, um den Tumor zu verkleinern und die Ausbreitung der Erkrankung frühzeitig zu verhindern
Es werden die gleichen Medikamentenkombinationen verwendet, wie bei Chemotherapien, die nach der Operation verabreicht werden.
Für eine betroffene Frau entstehen keine Nachteile durch eine primär durchgeführte Chemotherapie, im Gegenteil: Sie kann die Chancen auf eine brusterhaltende Operation erhöhen, ohne Nachteile für die Patientin.
Bei fortgeschrittenem Brustkrebs, der sich auf andere Organe wie Lunge oder Leber ausgebreitet hat, wird die palliative Chemotherapie eingesetzt. Sie zielt darauf ab, die Ausbreitung zu stoppen und bestehende Beschwerden und Symptome zu lindern.
Es werden weitgehend dieselben Medikamente eingesetzt, wie in der adjuvanten Chemotherapie, als Einzelmedikamenten- (Mono-) oder als Kombinationstherapie aus mehreren Medikamenten.
Über 70 % der Brustkrebserkrankungen sind östrogenempfindlich. Tumorzellen besitzen „Antennen“ für die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen, die das Wachstum und die Vermehrung der Zellen fördern. Die Antihormontherapie reduziert die Östrogenmenge im Körper und verhindert so die Stimulation der Tumorzellen.
Deshalb hat man sich dieses Prinzip in der Brustkrebstherapie zunutze gemacht, indem man durch antiöstrogen wirkende Tabletten den gesamten Organismus der Frau östrogenärmer macht und auf diese Weise die Vermehrung der Tumorzellen verhindert.
Tamoxifen blockiert die Östrogen-Antennen der Tumorzellen und hat sich seit über 30 Jahren bewährt. Es
wird empfohlen, über 3-5 Jahre 1x1 Tablette Tamoxifen 20 am Tag einzunehmen.
Mögliche Nebenwirkungen sind Wechseljahresbeschwerden, die individuell mir Ihnen bewertet und besprochen werden.
Eine jüngere antiöstrogen wirkende Gruppe von Medikamenten sind die Aromatasehemmer. Drei Medikamente mit gleicher Wirkung stehen zur Behandlung zur Verfügung: Anastrozol (Arimidex®), Letrozol (Femara®) und Exemestan (Aromasin®). Alle drei Wirkstoffe werden als Tabletten 1x am Tag eingenommen.
Die Aromatase ist ein Enzym, das die Bildung von Östrogenen im Fettgewebe, im Muskel und an anderen Stellen des Körpers fördert, und das vor allem nach den Wechseljahren. Es wird dieses Enzym und damit die Bildung von Östrogenen gehemmt. Der Körper wird auf diese Weise in einen östrogenärmeren Zustand gebracht.
Die unerwünschten Wirkungen sind ähnlich wie bei der Einnahme von Tamoxifen. Zusätzlich kann es zu einer Abnahme der Knochendichte kommen mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose.
Auch hierüber wird ein ausführliches Beratungsgespräch geführt, in dem Nutzen der Therapie und mögliches Risiko abgewogen werden.
GnRH Analoga sind hormonelle Wirkstoffe, die die Östrogenbildung in den Eierstöcken hemmen. Sie werden als Antihormonbehandlung bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren eingesetzt. Sie werden als als Injektion in das Fettgewebe des Unterbauches oder Gesäßes gegeben werden, es gibt sie nicht in Tablettenform. Die Injektionen erfolgen 1x im Monat oder 1x im Vierteljahr, je nach Präparat.
Übliche Handelsnamen sind Zoladex® oder Trenantone®. Zusätzlich wird Tamoxifen gegeben.
Die Immuntherapie mit Herceptin® richtet sich gegen den Wachstumsfaktor HER-2-Neu, der etwa bei 25% der Brustkrebstumore in hoher Dichte vorkommt
Neben der Bestimmung der Östrogenempfindlichkeit eines Tumors werden vom Pathologen auch sogenannte Wachstumsfaktoren untersucht. Wachstumsfaktoren können das Wachstum von Tumorzellen ebenfalls fördern und die beschleunigte Zellteilung stimulieren.
Für den Wachstumsfaktor HER-2-Neu, der wie die östrogenempfindlichen „Antennen“ auf der Zelle sitzt, wird Herceptin® als Blocker eingesetzt.
Herceptin® wird über 1 Jahr alle 3 Wochen als Infusion parallel zur Chemotherapie oder im Anschluss an die Chemotherapie gegeben.
Über die Eignung für eine Herceptintherapie wird mit Ihnen ausführlich nach der Operation gesprochen, sobald alle Untersuchungsergebnisse der Pathologen vorliegen.
Kontakt & Terminvereinbarung
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Gut informiert rund um das Thema Brustkrebs
Hier finden Sie eine Auswahl geprüfter, hilfreicher Links zu Information, Therapie und Unterstützung. Egal, ob Sie sich allgemein informieren, medizinische Hintergründe verstehen oder konkrete Hilfsangebote nutzen möchten – diese Sammlung bietet Ihnen einen guten Einstieg:
- Integrative Onkologie
Tagesklinik auf dem FranziskusCampus
- Brustkrebs (Mammakarzinom)
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
- Brustkrebs und familiärer Brustkrebs – ein Unterschied?
BRCA-Netzwerk
- Brustkrebs: Basis-Infos für Patientinnen und Angehörige
ONKO-Internetportal
- Brustkrebs bei Männern
ONKO-Internetportal
- „Der Zauberbaum“ – App zur Wissensvermittlung zum Thema Brustkrebs
Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.
- Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Senologie
- Empfehlungen gynäkologische Onkologie Kommission Mamma
Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie e.V.

